Berichte

aus aller Welt

09.11.2011 
Marzipan und Kuscheltier oder Ausbildung und Nachhaltigkeit?

In der Vorweihnachtszeit wird uns wiederholt die Frage gestellt, was wir von Aktionen halten, bedürftigen Menschen – insbesondere natürlich Kindern – eine persönliche Weihnachtsfreude zu bereiten.

Fotos: pixelio.de

Wir können den Gedanken nachvollziehen, dass gemeinsames Zusammenstellen von Gaben und Verpacken in Päckchen ein schönes Gemeinschaftserlebnis sein kann. Hinzu kommt das beruhigende Gefühl, Gutes bewirkt zu haben. Kann das aber Ziel unserer karitativen Arbeit sein?

„Sicher und in Würde leben“ ist nicht nur Slogan, es ist uns Auftrag. Um diesem Auftrag, den wir als soziales Engagement der Kirche verstehen, gerecht zu werden, finanzieren wir zahlreiche eigene Einrichtungen der Kirche oder unterstützen entsprechende Projekte in fremder Trägerschaft.

Außerdem haben wir uns in unserer Arbeit Grundsätzen verpflichtet, die unter deutschen Hilfsorganisationen inzwischen als Standard gelten. So haben sich z. B. die im Koordinierungsausschuss „Humanitäre Hilfe“ zusammengeschlossenen Organisationen und Bundesministerien für ihre Zusammenarbeit auf "Zwölf Grundregeln der Humanitären Hilfe im Ausland" verständigt:

Danach

… wird Hilfe ohne Ansehen von Ethnie, Religion, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung oder sonstigen Unterscheidungsmerkmalen gewährt und darf weder von politischen oder religiösen Einstellungen abhängig gemacht werden, noch darf sie diese fördern

..respektieren wir im Einsatzland geltendes Recht und Brauchtum.

…bezieht humanitäre Hilfe die Selbsthilfekräfte ein und fördert die Reduzierung der Katastrophenanfälligkeit. Sie beachtet die Entwicklungsbedürfnisse.

… verpflichten sich die in der humanitären Hilfe tätigen Organisationen und staatlichen Einrichtungen von Anfang an, örtliche Partner in ihre Planungen und Maßnahmen mit einzubeziehen.

… werden auch die Empfänger der Hilfe in Organisation und Durchführung der Maßnahmen einbezogen.

… müssen Hilfsgüter bedarfsgerecht eingesetzt werden und sollen den lokalen Standards entsprechen; ausschlaggebend für Auswahl und Sendung von Hilfsgütern darf allein die aktuelle Notlage sein. Bei der Beschaffung von Hilfsgütern ist dem Einkauf in der von der Notlage betroffenen Region der Vorzug zu geben.

Beachtet man diese wenigen hier auszugsweise wiedergegebenen Grundsätze, beantwortet sich die eingangs gestellte Frage bereits von selbst.

Humanitäre Hilfe soll stets dazu dienen, den Empfänger in die Lage zu versetzen, ein sicheres, selbst bestimmtes Leben in Würde zu führen. Dazu braucht es Ausbildung, Begleitung, Geduld, Professionalität und natürlich Mittel – mit einmaligen Süßigkeiten und Spielsachen ist da wenig getan!

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass mit finanziellen Spenden am meisten geholfen werden kann. Wo fließen sie hin? Nachstehend ist eine Auswahl von aktuellen Projektbeispielen aufgeführt, mit denen Kinder oder Jugendliche begünstigt werden. Weitere Details können auch den Informationen zu Patenschaften und Daueraktionen entnommen werden (siehe Downloads/Informationsmaterial).

  • Kindergarten Achada Mato auf den Kapverden
    Betreuung von rund 180 Kindern
  • Schule Kherwara, Indien
    Zurzeit besuchen 320 Schüler die in Trägerschaft der NAK NRW befindliche Schule.
  • Amazing-Grace-Kinderheime in Südafrika
    In zwei Heimen wird zusammen etwa 160 Kindern und Jugendlichen, teilweise Waisen oder auch Jugendliche, die von der Straße oder aus Missbrauchssituationen geholt wurden – nicht nur ein Zuhause, sondern auch Schulung und Ausbildung geboten.
  • Day Care Center Kottoor, Indien
    In dieser Einrichtung werden 35 Kinder betreut.
  • Heim für behinderte Kinder in Aktau, Kasachstan
    NAK-karitativ unterstützt mit Materialien und Ausstattung.
  • Waisenhaus Garacharma, Andamanen/Indien
    dauerhafte Betreuung von 15 Kindern, die in Folge des Tsunami zu Waisen wurden
  • Kinderheim Banswara, Indien
    Zurzeit befinden sich 30 Kinder in der von der NAK NRW geführten Einrichtung.
  • Schule Arratukuzhi, Indien
    300 Kinder werden hier unterrichtet; dank Schulgeld beschränkt sich die Unterstützung der Einrichtung auf die Deckung von Finanzierungslücken.
  • Schule in Juba/Südsudan für zurzeit 160 Kinder
    In der völlig am Boden liegenden Infrastruktur des Südsudan wird zurzeit der 2. Bauabschnitt für weitere 160 Kinder errichtet.
  • Medizinische Stationen in Angola und Sao Tomé
  • Winterhilfen in der Kaukasusregion und anderen Notstandsgebieten
    Auch diese Maßnahmen kommen zum überwiegenden Teil Kindern zugute.
  • Förderkurse für Jugendliche in Armenien in der kirchlichen Jugend- und Kinderbegegnungsstätte am Sewansee
  • Familienrüstzeiten in Latzwall (Landkreis Oder-Spree) für Haushalte, die in Abhängigkeit von staatlichen Unterstützungsleistungen leben
    In 2010 nutzten in 11 Blöcken insgesamt 145 Personen diese Einrichtung zu einer Mischung aus Schulung und Erholung.
  • Bau einer Hebammenschule in der Demokratischen Republik Kongo
    Hebammen, die bisher mit traditionellen Methoden gearbeitet haben, erhalten hier eine zusätzliche zeitgemäße Ausbildung, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten ergänzt und den medizinischen Anforderungen anpasst.
  • Krebskinderklinik Murmansk
    jährliche Bereitstellung von Medikamenten und Klinikbedarf
  • Schule in Diani, Kenia
    Errichtung eines Schulgebäudes für das unter der Trägerschaft von KiD – Kindergarten in Diani e. V. befindliche Kinderheim in Kenia
  • Schule in Mattala in Angola
    Erweiterung der 2007 errichteten Schule um 3 Klassenräume
  • Schule Adama in Äthiopien
    Mitfinanzierung eines weiteren Gebäudeteils für die Schule,
    Klassen 9 bis 13

Zahlreiche Gemeinden nutzen die letzten Wochen des Jahres, um mit Konzerten oder Basaren auf die Vielzahl der Projekte aufmerksam zu machen und Zuwendungen einzuwerben. Gleichzeitig nutzen auch viele Spender die Möglichkeit, uns Zuwendungen für unsere Projekte zukommen zu lassen. Mit dieser Art von Unterstützung und Engagement ist den Projekten am sinnvollsten gedient. Allen Freunden und Unterstützern gilt unser herzlicher Dank.