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09.05.2016 
Post Ebola Care Center: Ein sicherer Hafen für Überlebende

Der Bedarf des Post Ebola Care Centers (PECC) in Sierra Leone ist noch immer groß. Bereits im letzten Jahr haben wir den Betrieb des Aufklärungs- und Versorgungszentrums für vier Monate gesichert. Die Übergabe der Station in staatliche Hände hat sich verzögert. Grund ist die noch immer herrschende Stigmatisierung gegenüber Ebola-Überlebenden. Um das Projekt erfolgreich zu beenden finanzieren wir den Betrieb und damit die Aufklärungsarbeit sowie die Versorgung von Überlebenden für weitere vier Monate. Ein Bericht der Deutschen Welthungerhilfe, die gemeinsam mit Hilfe Direkt Sierra Leone vor Ort ist:

Ebola

Aufklärungskampagne im Land

Ebola

Aufklärungsarbeit im PECC

Ebola

Ebola-Überlebende mit ihrer Tochter

Risikopatienten, Schwangere und junge Mütter, medizinische Probleme und Stigmatisierung der Überlebenden: Warum das Ebola Post Care Center in Sierra Leona auch nach dem offiziellen Ende der verheerenden Seuche gebraucht wird:

Der siebte November 2015 war für die Sierraleoner ein Tag zum Feiern. An diesem Samstag wurde das kleine westafrikanische Land für Ebola-frei erklärt. Seit Mitte Januar 2016 gilt dies auch für die beiden weiteren, hauptsächlich betroffenen Nachbarländer Liberia und Guinea.

Auch im Distrikt Bo, in der Landesmitte gelegen, brach Anfang November Jubel aus, als die Nachricht bekannt wurde. Zwar hatte es hier schon länger keine neuen Opfer mehr zu beklagen gegeben, doch der Ausnahmezustand blieb auch hier bis zum siebtem November bestehen.

 

Hans-Peter Müller, Projektleiter der Welthungerhilfe, erklärt: „Der Status „Ebola-Frei“ wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO vergeben. Das Hauptkriterium ist, dass es in einem Land mindestens zwei Inkubationszeiten à 21 Tage, also 42 Tage lang, nach dem Tod oder nach der Erholung eines Opfers keinen neuen Fall gegeben hat.“

Fast 4.000 Menschen sind seit dem Ausbruch 2014 durch den Virus in Sierra Leone getötet worden, weitere 10.000 Kinder, Frauen und Männer haben das Ebola-Fieber überlebt. Doch für viele der Betroffenen ist längst noch nicht „alles wieder gut“.

Hier, im PECC, dem „Post Ebola Care Center“ in der Stadt Bo, ist deshalb auch nach dem offiziellen Ende der katastrophalen Epidemie, nicht an ein Ende des Betriebs zu denken. Bintu Sandi Massaquoi telefoniert engagiert mit einer Frau, die das Ebola-Fieber überlebt hat. Frau Massaquoi ist die Vorsitzende von „Sierraleon Association of Ebola Survivors“, der Vereinigung von Ebola-Überlebenden in Sierra Leone.

Die ehrenamtlich Tätige weiß genau, wie es den Überlebenden geht. Sie bestätigt die Erfahrungen, die auch Musa Said Bainda, der Direktor des PECC, macht: Vielen Menschen geht es nach wie vor nicht gut. „Oh, die Liste der gesundheitlichen Probleme ist lang“, erzählt die 35jährige, „viele haben Ohren- oder Augenprobleme, einige sind fast blind, andere haben Haut- oder Knochenprobleme. Häufig sind starke Schmerzen, auch Schlaflosigkeit ist für viele ein Thema.“

Direktor Bainda ergänzt: „Wir geben hier medizinische Unterstützung, von regelmäßigen Untersuchungen bis hin zu kostenlosen, verschreibungspflichtigen Medikamenten. Wir behandeln Hepatitis, Rückenmarksentzündungen, Kopfschmerzen, aber auch Erschöpfungszustände. Das PECC ist ja auch dafür da, die glücklichen Überlebenden wieder aufzupäppeln. Aber man darf auch nicht vergessen, dass die medizinische Forschung auf viele Fragen noch keine genauen Antworten hat.“ Bislang seien ja immer die meisten Opfer des Virus verstorben.

 

Klar ist – der Erreger bleibt noch lange im Körper der Betroffenen. So wurde Ebola auch noch nach 12 Monaten im Sperma nachgewiesen. Was bedeutet das für die Zeugung von Nachkommen? Kann der Erreger auch über die Muttermilch an Säuglinge übertragen werden? „Viele junge Mütter und Schwangere kommen zu uns, sind verunsichert, ja auch ängstlich“, sagt Herr Bainda, „und dabei sind sie oft sowieso noch geschwächt von diesem zehrenden Fieber. Wir kümmern uns gut um sie, aber alle Fragen können wir zurzeit nicht beantworten. Das kann Niemand – es fehlt einfach an Grundlagenforschung.“

Wie überall im Land sind auch in der Stadt Bo überall Plakate von Kampagnen im Zusammenhang mit Ebola zu sehen, alle im Grunde mit ähnlicher Botschaft: „Ihr sollt nicht die Ebola-Überlebenden stigmatisieren!“ Es gibt, im Wortsinne – Berührungsängste. Auf der Arbeit, unterwegs, in den Dörfern und in den Familien selbst. Deshalb hat das PECC mobile Teams zur Verfügung, die mit den Überlebenden rausgehen, um die bekannten Fakten glaubhaft und kompetent zu vermitteln. Die Botschaft an Kollegen, Nachbarn und Angehörige: ihr braucht keine Angst (mehr) zu haben.

Es sei schon deutlich besser geworden, sagt Frau Massaquoi. „Hier im Distrikt Bo, ist es viel besser als in anderen Regionen. Das liegt sicher auch an der Arbeit des Zentrums, an den mobilen Teams. Aber – wir Überlebenden wünschen uns, dass das PECC seine Arbeit noch länger fortsetzen kann. Was wäre etwa, wenn es irgendwo im Land wieder einen neuen Fall gäbe? Dann würde alles wieder von vorne losgehen, die Straßensperren, das Erlahmen des öffentlichen Lebens. Nichtbestellte Felder, steigende Preise, Hunger – und alle Menschen in Angst.“

Genau dieses Horror-Szenario, von dem ausnahmslos alle Einwohner fast zwei Jahre betroffen waren, ist man gerade im Begriff, wieder zu überwinden. Die psychosozialen Beratungsangebote des Post Ebola Care Centre, dessen Finanzierung bislang nur bis Ende März 2016 gesichert ist, war in Bo dabei eine wichtige Stütze für die Überlebenden. Für den Deutschen Hans-Peter Müller, der das Projekt bei der Welthungerhilfe verantwortet (und die gesamte Krise über vor Ort war) geht es nun darum, „dass das gebeutelte Land langsam wieder auf die Beine kommen kann. Das öffentliche Leben war ja über viele Monate wirklich eingefroren, nun müssen wir sehen, dass wieder eine positive Dynamik in alle Bereiche des Lebens kommt.“

 

Nachtrag: Mitte Januar, gut zwei Monate nach dem Status „Ebola-Frei“, ist wieder ein Fall von Ebola in Sierra Leone aufgetreten. Eine 22jährige Studentin ist in der Stadt Magburaka dem Virus erlegen – keine 90 Kilometer nördlich von Bo gelegen. Den Behörden zufolge konnten bislang 109 Kontakte der jungen Frau mit anderen Menschen identifiziert werden, davon werden 28 als „high risk“ eingestuft.

Die landesweiten Maßnahmen, von Hygiene-Straßensperren bis zu öffentlichem Temperaturmessen, dürften also noch eine ganze Zeitlang weitergehen. Zu Recht, wie sich nun zeigt.

 

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