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aus aller Welt

06.05.2016 
Kindernothilfe Kaukasus - Hilfe für Kinder und deren Familien in Armenien

Tawusch gilt als die ärmste Provinz Armeniens. Die Region befindet sich im Nordosten des Landes und ist Grenzgebiet zu Aserbaidschan. Seit Jahren kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den beiden Ländern, durch die schon viele Kinder ihre Väter verloren haben und mit ihren Müttern mittellos zurückblieben. Um die Not vorübergehend zu lindern, leisten wir Nothilfe für bedürftige Familien mit Kindern in den Ortschaften Nojemberjan, Koghb und Sorakan in der Region Tawusch. Parallel dazu planen wir mit diesen Familien langfristige Einkommensmöglichkeiten.

Kindernothilfe Armenien

Christine mit ihrer Mutter und Großmutter

Kindernothilfe Armenien

Christine vor der Tür im Badezimmerbereich

Kindernothilfe Armenien

Das Zuhause von Christine

Situation: Zurück bleiben Frauen und Kinder

Nach Untersuchungen der Weltbank liegen die Arbeitslosigkeit in der Region Tawusch bei 67,5% und die Emigrationsrate seit Beginn des Armenisch-Aserbaidschanischen Grenzkonflikts bei 50% der Bevölkerung. Ursache für die schlimme Situation ist die ungesicherte Lage der Bevölkerung im Grenzgebiet mit täglichen Zwischenfällen an der Grenze in einem verdeckt andauernden Krieg. Erst im April dieses Jahres kam es zu einer größeren Auseinandersetzung. Meistens handelt es sich um „kleinere“ Gefechte, die jedoch bereits den Tod vieler Männer gefordert haben.

 

Unter diesen Bedingungen sind keinerlei Investitionen in diesem Teil Armeniens zu erwarten. Die Menschen bleiben jedoch in den Dörfern, um ihre Häuser und ihr Land nicht zu verlieren. Meist sind es die Alten und die Frauen mit ihren Kindern, die zurückbleiben, während die Männer in anderen Landesteilen oder in Russland Arbeit suchen. Viele Familien sind in dieser Situation auseinandergebrochen und zahlreiche Kinder haben durch die andauernden militärischen Übergriffe und lokalen Gefechte ihre Väter verloren. Mit Mühe gelingt es den Gemeinden mit den geringen Finanzmitteln aus der Hauptstadt Eriwan oder Stepanakerd Lehrer und Erzieherinnen für Kindergärten, Vorschulen und Schulen zu bezahlen. Für Ausstattung, Lehrmittel und Spielzeug fehlen die Gelder. Nur durch Zuwendungen von Sponsoren und Hilfsorganisationen können der Betrieb und die Versorgung der Kinder mit Mahlzeiten und Kleidung gesichert werden. Lebensgrundlage ist eine Selbstversorgerlandwirtschaft, die kaum Überschüsse erwirtschaftet. Doch auch Land besitzt nicht jede Familie.

 

Im Jahr 2015 haben wir die Patenschaft „Kindernothilfe Kaukasus“ eingerichtet. 26 Familien konnten wir im letzten Jahr mit Nahrungsmitteln versorgen, ihre Kinder mit Schulmaterialien ausstatten und zudem notwendige Anschaffungen für den staatlichen Kindergarten in Koghb tätigen, in dem 62 Kinder ihren Platz finden. Die Familien leben am Existenzminimum und auch der Kindergarten hat Schwierigkeiten die Kinder mit dem wenigen Geld satt zubekommen. Umgerechnet stehen dem Kindergarten 37 Cent pro Kind pro Tag für Nahrungsmittel zur Verfügung. Damit ist keine gesunde Ernährung der Kinder möglich.

 

Ein Einblick: Zu Besuch bei Christine, ihrer Mutter und ihrer Großmutter (April 2016)

Christine ist ein aufgewecktes und lebhaftes Kind. Die fünfjährige freut sich uns zu sehen und zeigt ihren Haarschmuck, den ihre Mutter ihr vermutlich extra für unseren Besuch angelegt hat. Sie strahlt über ihr ganzes Gesicht. Ihre Mutter, die in ihrer zierlichen Gestalt selbst beinahe noch wie ein Kind wirkt, lächelt mit freundlicher Zurückhaltung und kommt auf uns zu. Christine ist nicht ihr einziges Kind. Ihr Sohn Davit ist acht Jahre alt und während unseres Besuchs in der Schule. Einen Papa haben die beiden nicht mehr. Er ist verstorben, ebenso wie ihr Großvater. Die Großmutter wohnt gemeinsam mit ihnen in dem kleinen Haus. Sie ist selbst gerade erst einmal Anfang 50. Sie wirkt traurig, nachdenklich und gleichzeitig spürt man ihr gutes Herz. Wie schlimm muss es für eine Mutter sein, zu sehen, wie ihre Tochter dasselbe tragische Schicksal erleiden muss? Wie schmerzhaft muss es sein weder Tochter noch Enkelkindern helfen zu können, weil man selbst mittellos ist und keine Aussicht hat? Ständig angewiesen zu sein auf fremde Hilfe beschämt sie, wenngleich sie unendlich dankbar für die Unterstützung ist. Ihre Tränen kann sie nicht verbergen.

 

Zu viert wohnen die drei Generationen in einer kleinen Holzhütte, die aus nur einem Zimmer besteht. Waschbecken und Kochnische befinden sich draußen. Das Leben in den extrem kalten Wintermonaten möchte man sich hier nicht vorstellen. Geheizt wird mit einem kleinen Ofen, der mit Feuerholz betrieben wird. Warmes Wasser gibt es nicht.

 

Aussichten: Nothilfe, Einkommensförderung, verbesserte Ernährung

In diesem Jahr führen wir die Nothilfe von Kindern, die in extrem bedürftigen Familien aufwachsen, noch fort und erweitern die Hilfe von 17 auf 30 Familien, die mit Nahrungsmittelpaketen, notwendigen Medikamenten, Schulmaterialien und anderen dringlichen Gütern versorgt werden. Die Nahrungsmittelpakete werden vier Mal ausgegeben und beinhalten Nudeln, Zucker, Mehl, Öl, Fleischkonserven und Kondensmilch. Dadurch werden die Familien für einige Monate entlastet. Parallel dazu planen wir gemeinsam mit den Familien langfristige Einkommens- und Versorgungsmöglichkeiten, damit sie unabhängig von fremder Hilfe werden.

 

Neben der Unterstützung der Familien ist zudem die regelmäßige Bezuschussung des Kindergartens in Koghb geplant, damit die Kinder besser versorgt sind. Hierbei befinden wir uns derzeit in Gesprächen über die Details der Maßnahmen. Auch die Rehabilitierung des Kindergartengebäudes befindet sich in Planung. Unterstützt werden wir dabei von der ortsansässigen Organisation Apaven und Rafael Movsesyan, Bischof der Neuapostolischen Kirche in Armenien.

 

Wir sind dankbar für jede Unterstützung, die uns erreicht. Mit 30 Euro finanzieren Sie ein Lebensmittelpaket für eine vierköpfige Familie, von dem diese fünf Wochen leben kann.

 

Stichwort: „PAT015 Kindernothilfe Kaukasus“

 

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