Berichte

aus aller Welt

11.06.2015 
Bosnien und Herzegowina: Zu Besuch bei Sanela Kapo

Bei unserem Projektbesuch treffen wir eine liebevolle Frau mit strahlend hellblauen Augen und einem herzlichen Lächeln. Die kleine Schneiderwerkstatt wirkt etwas chaotisch. Auf den zweiten Blick bemerke ich jedoch die akkurat aufgehängten Schablonen für die Zuschnitte der Taschen, die Sanela Kapo und ihr Mann produzieren.

Berufliche Förderung

Das behindertengerechte Eigenheim hat die vierköpfige Familie vor zehn Monaten bezogen. Das spartanisch eingerichtete Haus ist eigenhändig gebaut wurden. Die Wände im Wohnbereich bestehen wie das kleine Nähatellier aus Gipsplatten - einfach und praktisch. Ober- und Untergeschoss sind über einen geschotterten Weg von außen zu erreichen, der von Sanela Kapo mit dem Rollstuhl zu bewältigen ist. Zuvor hat das Ehepaar mit den zwei Töchtern im Alter von 13 und 17 Jahren in einem kleinen Holzhaus nebenan gelebt.

Seit fünf Jahren ist Sanela nun an den Rollstuhl gebunden. 1993 ging sie das erste Mal wegen Beschwerden in ihren Beinen zum Arzt. Es waren noch Zeiten des Krieges, in denen häufig Gelbfieber diagnostiziert wurde. Auch bei Sanela ging man von Problemen der Leber aus, wogegen sie zunächst behandelt wurde. Die Behandlung der studierten Lehrerin erwies sich jedoch als erfolglos. Ihr Zustand verschlechterte sich und schon bald war ihr das gehen nur noch mit der Hilfe von Krücken möglich. Im Jahr 2003 wurde ihr dann die Diagnose „Muskeldystrophy“ gegeben. „Vor fünf Jahren bin ich gestürzt und habe mir die Beine gebrochen. Seitdem sitze ich im Rollstuhl. Meine Beine kann ich nun gar nicht mehr bewegen“, erzählt Sanela nachdenklich.

Die Schneiderwerksatt führt das Ehepaar gemeinsam. Sanela übernimmt Schneide- und Bügelarbeiten. Selber nähen kann sie aufgrund ihrer fehlenden Beinkraft nicht. „Ich habe einen sehr guten Ehemann“, erwidert Sanela mit einem Strahlen als wir sie danach fragen, wie sie ihren Alltag bewältigt. Ihr Mann lacht und schaut etwas verlegen. Sie zeigen uns die Taschen, die sie derzeit für den Verkauf fertig gestellt haben. Noch ist der Absatz des kleinen Handwerksbetriebs überschaulich. Neues Material kann oftmals erst gekauft werden sobald ein paar Taschen verkauft wurden.

Um die Familie zu unterstützen, wird eine Schneidemaschine zum Zuschneiden von Riemen angeschafft. Außerdem wird die Familie mit Materialien ausgestattet, um die Taschen-Produktion ein wenig voranzutreiben. Die Maschine ermöglicht es zudem, dass besonders Sanela vermehrt in die Arbeitsprozesse mit eingebunden werden kann.

Tatjana Augustin

Projektinformation

Stichwort: 2014-021 Förderung von Menschen mit Behinderung

 Spendenkonto

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