Berichte

aus aller Welt

27.11.2014 
Reisebericht: Bosnien und Herzegowina – Das Leben nach der Flut

Sechs Monate ist es nun her, als weite Teile Serbiens, Kroatiens, Bosniens und Herzegowinas überschwemmt wurden. Alleine in Bosnien wurde ein Drittel des Landes überschwemmt. Eine Millionen Menschen waren betroffen. NAK-karitativ finanzierte ein von Help – Hilfe zur Selbsthilfe implementiertes Projekt, das Kleinbauern in dem Dorf Zorice, nahe der nördlichen Grenze zu Kroatien, unterstützte.

Das Ortsschild von Zorice unter Wasser

Besuch bei Marco Juric

Besuch bei Anda und Lucija Jaric

Im November besuchten Timo Stegelmann von Help – Hilfe zur Selbsthilfe und Tatjana Augustin von NAK-karitativ gemeinsam die Projektbegünstigten.

Über drei Stunden brauchten wir mit dem Auto von Sarajevo in die Stadt Odžak. Der weiteste Teil unserer Wegstrecke führte entlang des Flusses Bosna. Mittlerweile hat dieser seinen gewohnten Pegel wieder erreicht. Doch die Menschen hier kämpfen noch immer gegen die Folgen der Flut, die im Mai überraschte und einen immensen Schaden anrichtete. Die Fenster der Häuser stehen fast alle offen – ein Versuch, die Feuchtigkeit und den Geruch aus den Wänden zu bekommen. Einige Häuser sind durch Erdrutsche vom Hang gestürzt.

Zwanzig Minuten von Odžak entfernt befindet sich das Dorf Zorice. Es liegt an dem Fluss Sava. Hier haben wir die Menschen, im Rahmen der landwirtschaftlichen Rehabilitierung, nach der Flut unterstützt. Die meisten Bewohner der Region verdienen ihren Lebensunterhalt mit Landwirtschaft. Das Flachland eignet sich hervorragend für den Anbau von Mais, Gerste und Weizen. Die Tierhaltung gehört selbstverständlich auch dazu. Doch Tiere gibt es nur noch wenige. Die meisten Bauern haben den Großteil ihre Kühe, Schweine und Hühner durch die Flut verloren.

Die Tochter von Juro Brkić, einem Projektbegünstigten, erzählt uns:

„Jetzt, wo alles vorbei ist, können wir nur Gott danken, dass er uns beschützt hat. Wenn ich so nachdenke, an diesem Tag waren alle auf den Beinen. Im lokalen Radio hörten wir, dass unser Dorf Zorice evakuiert wird. Diese Nachricht hat uns schockiert. Wir müssen aus unseren Häusern raus. Meine Mama sagte: „Schon wieder“. Das ist das zweite Mal, dass wir unser Haus verlassen mussten. Das erste Mal war im Krieg und jetzt wieder. Die Sorge, um unsere Tiere war groß. Wir wussten nicht wie wir sie retten können. Leider kam die Flut so schnell, sodass wir nicht alle Tiere in das obere Stockwerk bringen konnten. Niemand hat erwartet, dass die Flut so groß wird. Nach 20 Tagen kamen wir nach Hause und räumten langsam auf. Die Hilfe für den Start, um unsere Landwirtschaft wieder in Betrieb nehmen zu können, bekamen wir von den Organisationen Help und NAK-karitativ. Sie gaben uns Hoffnung, dass alles wieder gut wird.“

Während den drei Wochen der Flut, fuhren die Familien des Dorfes fast täglich mit Booten, die von Hilfsorganisationen gestellt wurden, in ihre Häuser, um die übrigen Tiere zu füttern. Bei anderen Familien blieb der Mann mit den Tieren im obersten Stockwerk wohnen, während Frau und Kinder in Regionen lebten, die nicht von der Flut betroffen waren.

Insgesamt konnten Help – Hilfe zur Selbsthilfe und NAK-karitativ 31 Familien in Zorice dabei unterstützen, ihre Landwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Bei unserem Besuch konnten einige Familien bereits die erste Maisernte vorweisen. Leider können die Hilfsorganisationen nicht den gesamten Schaden auffangen und schon gar nicht die seelischen Narben heilen.

Nina Jurić hat zwei Kinder. Bei unserem Besuch standen ihr unentwegt die Tränen in den Augen. Während ihr Mann Marko uns von seinen Verlusten erzählte, stand Nina immer ein Stück abseits. Während der Flut lebte sie zunächst mit ihren Kinder bei ihrem Bruder in Kroatien, ihr Mann blieb im Haus. Die Entfernung machte ihr zu schaffen, sodass Sie eher zurückkehrte. Die junge Familie verlor die gesamte Ernte, 39 Schweine und 30 Hühner. Nur der Hahn und drei Schweine sind ihnen geblieben. Auch seine Gerätschaften haben Schäden erlitten.

Es ist nicht möglich den Betroffenen auf allen Ebenen zu helfen, doch kleine Schritte bewirken oft Großes. Mit der geleisteten Unterstützung von Help und NAK-karitativ konnte Marko Saatgut für den Anbau von Winterweizen sowie Dünger kaufen. Diese Startmöglichkeit motivierte den 39-jährigen und gab ihm die Möglichkeit schnell wieder aktiv zu werden und Kapital zu erwirtschaften.

Das Pilotprojekt führte zudem dazu, dass unser Partner Help öffentliche Mittel, für eine regionale Erweiterung des Projektes, akquirieren konnte. Dadurch können, in der Region Odžak, jetzt mehrere hundert Familien zusätzlich unterstützt werden.

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