In Mtendere, Malawi entscheidet oft die Ernte darüber, wie Familien durch das Jahr kommen. Doch in vielen Gegenden bleibt der Boden trocken und die Felder bringen kaum noch Erträge. Regenfälle verschieben sich, Dürren dauern länger an, Wege und Infrastruktur zerfallen. Felder, die früher grün waren, werden hart und grau. Für rund 200 kleinbäuerliche Haushalte in Mtendere bedeutet das tägliche Unsicherheit – jede Saison kann zur Zitterpartie werden.
Ein brachliegendes Bewässerungssystem wird zur neuen Lebensader
Mitten in diesem schwierigen Alltag stand seit Jahren eine Chance ungenutzt da: ein Bewässerungssystem, das einst von staatlicher Seite gebaut wurde. Doch Risse in den Dämmen, offene Kanäle und kaputte Rohre sorgten dafür, dass das Wasser an den falschen Stellen versickerte oder verdunstete, bevor es die Felder erreichte. Was eigentlich helfen sollte, blieb unbrauchbar.
Gemeinsam mit NACRO (New Apostolic Church Relief Organization) wurde diese alte Infrastruktur wieder zum Leben erweckt. Zwei neue Wehre stauen das Wasser, erneuerte Leitungen leiten es weiter, und 61 Verteilboxen bringen es endlich dorthin, wo es gebraucht wird. Heute können 15 Hektar Ackerfläche zuverlässig bewirtschaftet werden – selbst dann, wenn viele Wochen ohne Regen vergehen. Felder bleiben nicht länger staubbedeckt, sondern können wieder grün werden.
Technik allein genügt nicht – Wissen macht den Unterschied
Damit die Erfolge bleiben, wird das Wissen rund um klimaangepassten Anbau in die Gemeinden getragen.
Bereits mehr als 100 Teilnehmende lernen, wie Böden fruchtbar bleiben, wie Wasser sparsam genutzt wird und wie natürlicher Dünger entsteht. Wer diese Prinzipien anwendet, kann Ernten stabiler machen und Kosten senken.
Zusätzlich wurden 20 Lead Farmer geschult. Sie vermitteln das Gelernte weiter, beraten Nachbarhöfe und sorgen dafür, dass das Bewässerungssystem nicht wieder verfällt. Aus einzelnen Schulungen wächst so ein dauerhaftes Verständnis – und eine Kultur gemeinsamer Verantwortung.
Wenn das Wasser richtig gelenkt wird, verändert das die gesamte Ernteplanung:
„Mit der Bewässerung durch Schwerkraftleitungen habe ich eine deutliche Verbesserung der Erntequalität festgestellt. Durch den geringeren Wasserverlust konnte ich meine Anbaufläche vergrößern, da ich weiß, dass ich das Wasser effizient verwalten kann. Das hat für unsere Felder einen entscheidenden Unterschied gemacht, und ich bin dankbar für die Möglichkeit, ein effizienteres Bewässerungssystem zu nutzen.“
- Elise Kachingwe, eine begünstigte Bäuerin (siehe Foto)
Wirtschaftliche Stärke aus eigener Kraft
Sobald Felder wieder zuverlässig Erträge liefern, stellt sich die nächste Frage: Wie wird aus Ernte Einkommen?
Dafür entsteht eine landwirtschaftliche Kooperative, in der sich Erzeugerinnen und Erzeuger zusammenschließen, um gemeinsam bessere Preise und faire Bedingungen zu erreichen. Parallel dazu bilden sich mindestens fünf Spar- und Kreditgruppen. Dort legen Familien Geld zusammen, vergeben kleine Kredite und sichern sich gegenseitig ab – auch für Reparaturen am Bewässerungssystem oder Investitionen in Saatgut.
Gleichberechtigung als entscheidender Faktor
In vielen Haushalten stemmen Frauen den Großteil der Feldarbeit. Trotzdem bleiben Entscheidungen oft anderen überlassen. Spezielle Trainings setzen genau hier an: Frauen sollen stärker einbezogen werden, Verantwortung tragen und an wirtschaftlichen Entscheidungen teilhaben. Mehr Mitbestimmung bedeutet mehr Sicherheit – für Familien, Höfe und Ernten.



