Ein Schritt in ein selbstbestimmtes Leben
Viele Jahre lang war der Alltag von Frauen wie Elona geprägt von Routine, Unsichtbarkeit und eingeschränkten Perspektiven. Als Ehefrau und Mutter kümmerte sie sich um Haushalt und Familie – und doch blieben Kontakte, Begegnungen, berufliche Chancen und wirtschaftliche Unabhängigkeit aus. In Kuçova, einer Kleinstadt gebrandmarkt durch wirtschaftliche Stagnation, trifft das viele Frauen. Die Werke der Vergangenheit – etwa eine Ausbildung im Öl‑Sektor – verloren mit dem Schließen der Raffinerie ihre Bedeutung. Die Hoffnung, jemals wieder eigenständig arbeiten zu können, schien fern.
Mit der Gründung einer kleinen Teigwarenproduktion öffnete sich ein neuer Weg: Eine Produktionsstätte, ausgestattet mit Teig‑ und Nudelmaschinen, Kühlschrank und weiteren Geräten. Der Duft von frischer Pasta mischte sich mit der Hoffnung auf wirtschaftliche Teilhabe.
Ausbildung, Arbeit, Gemeinschaft – Wandel mit Gesicht
Zehn Frauen wurden ausgewählt — organisiert in zwei Schichten — um professionell Nudeln und Teigwaren herzustellen. Erste Verkäufe führten zu einem kleinen, aber bedeutsamen Zusatzeinkommen. Doch wichtiger als das Geld sind die neu gewonnene Routine, die Selbstbestätigung, der Sinn.
In einem Kurs von fünf Monaten lernten fünf Frauen, wie man verschiedenste Teigwaren herstellt — von Pasta über Kekse bis Baklava. Im Anschluss geben sie ihr Wissen an weitere Frauen weiter. Ergänzt wird das durch Seminare in Unternehmensführung, Finanzen, Marketing sowie durch Workshops zu gesellschaftlicher Teilhabe, Gleichberechtigung und Stärkung der Frauenrolle.
So entsteht nicht einfach ein Betrieb — es entsteht ein sozial geführtes Unternehmen mit Zukunft. Ein Ort, an dem Frauen nicht nur arbeiten, sondern ihre Rolle neu definieren, voneinander lernen, sich unterstützen und gemeinsam stark werden.
Ein neues Miteinander, eine neue Perspektive
Für viele Beteiligte veränderte sich mehr als der Arbeitsalltag. Gemeinschaftsgefühl, gegenseitige Unterstützung und ein Rhythmus — der herausführt aus der Isolation. Frauen, die früher kaum das Haus verließen, begegnen neuen Menschen, gewinnen Selbstwertgefühl und Hoffnung.
“Ein großer Gewinn des Projekts ist, dass ich hier die anderen Frauen kennengelernt habe, denn wir unternehmen auch außerhalb der Teigproduktion gemeinsame Ausflüge.”
- Mira* (55 Jahre)
Nachhaltige Wirkung – weit über Teig und Pasta hinaus
Das Social Business lebt: Die Produktionsstätte bleibt, das Wissen bleibt, die Gemeinschaft bleibt. Durch die Kombination aus handwerklichem Können, wirtschaftlichem Verständnis und sozialer Struktur öffnen sich neue Türen — nicht nur für die derzeitigen zehn Frauen, sondern womöglich für viele weitere.
Diese Initiative zeigt: Wenn Menschen befähigt werden, bekommen sie mehr als eine Aufgabe – sie bekommen eine Chance. Eine Chance, ihren Alltag mit Würde und Selbstbestimmung zu füllen. Und so sich nicht nur selbst, sondern ihre ganze Gemeinschaft zu verändern.
*Name geändert
Partnerorganisation: Drejt se Ardhmes
Unsere Erfolge im Überblick:
- Ausbildung von 10 Frauen in professioneller Teig- und Nudelherstellung sowie Geschäftsplanung zur Schaffung von Einkommensquellen und Erweiterung ihrer beruflichen Perspektiven.
- Anschaffung von Materialien und Ausrüstung für die Teigwarenproduktion und Ausbildung.
- Produktion und Verkauf von Teig und Nudeln durch die ausgewählten Frauen.
- Gründung des Sozialunternehmens NOELKA zur Erhöhung des Nettoeinkommens der Teilnehmerinnen.



