Kunststunden, auf die die ganze Woche gewartet wurde
Wenn die Künstlerinnen und Künstler die Klassenräume betraten, war die Vorfreude oft schon spürbar. Für viele Schülerinnen und Schüler wurden die MUS-E-Stunden zu einem festen Höhepunkt der Woche. Hier entstanden Geschichten, Tanzchoreografien, Theaterstücke, Musikbeiträge und kreative Kunstwerke. Im Mittelpunkt standen nicht Noten oder Leistung, sondern Fantasie, Selbstvertrauen und die Freude am gemeinsamen Gestalten.
Nach der Flutkatastrophe 2021 unterstützte NAK-karitativ gemeinsam mit weiteren Förderpartnern die Durchführung des künstlerisch-sozialen Bildungsprogramms MUS-E an drei Schulen im Ahrtal. Von Sommer 2022 bis Ende 2025 erhielten Kinder und Jugendliche regelmäßig die Möglichkeit, mit professionellen Kunstschaffenden kreativ zu arbeiten. Durch zusätzliche Fördermittel konnten darüber hinaus zahlreiche weitere Schulklassen in der Region von dem Angebot profitieren.
Ein sicherer Raum für Gedanken und Gefühle
Viele Familien im Ahrtal leben noch immer mit den Folgen der Flut. Beschädigte Infrastruktur, provisorische Schulräume und anhaltende Belastungen prägen vielerorts den Alltag. Das MUS-E-Programm bot Kindern in dieser Situation einen geschützten Raum, um Erlebnisse, Gedanken und Gefühle auf kreative Weise auszudrücken.
Wöchentlich arbeiteten Kunstschaffende mit den Klassen und griffen Themen auf, die die Kinder bewegten. Tanz, Musik, Theater und bildende Kunst eröffneten neue Möglichkeiten, Erlebtes sichtbar zu machen, eigene Stärken zu entdecken und gemeinsam etwas entstehen zu lassen. Die regelmäßigen Begegnungen schufen dabei Verlässlichkeit und Kontinuität in einer Zeit, die für viele von Unsicherheit geprägt war.
Gemeinsam wachsen durch Kreativität
Die positiven Erfahrungen reichten weit über die künstlerische Arbeit hinaus. Die Kinder lernten, miteinander zu kommunizieren, Verantwortung zu übernehmen und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Sie gewannen Selbstvertrauen, entwickelten eigene Ideen und erfuhren, dass Fehler Teil eines kreativen Prozesses sein dürfen.
Besonders zurückhaltende Schülerinnen und Schüler fanden ihren Platz in der Gruppe und trauten sich zunehmend, ihre Gedanken einzubringen oder vor anderen aufzutreten. Die Wirkung des Programms wurde auch von den Lehrkräften wahrgenommen. Eine Klassenlehrerin der Grundschule Bad Neuenahr beschreibt die Begeisterung ihrer Klasse so:
„Jede Stunde war ein Highlight der Woche für die Klasse, auf das sie sich sehr gefreut haben.“
Auch an der Aloisiusschule Ahrweiler wurde beobachtet, dass gerade ruhigere Kinder durch die kreativen Angebote zunehmend aus sich herauskamen und das gemeinsame Arbeiten das Klassenklima stärkte.
Kreativität macht Mut
Der Wiederaufbau im Ahrtal brachte während der gesamten Projektlaufzeit immer wieder neue Herausforderungen mit sich. Unterricht fand teilweise in Containern statt, Räume mussten flexibel genutzt werden und organisatorische Veränderungen gehörten zum Alltag. Umso bemerkenswerter ist das Engagement aller Beteiligten, die das Programm über mehrere Jahre mit Leben füllten.
Gemeinsam gelang es den Schulen, den Koordinationsverantwortlichen und den Kunstschaffenden, Kindern kontinuierlich kreative Erfahrungsräume zu eröffnen. Zu den beteiligten Schulen gehörten die Grundschule Bad Neuenahr, die Aloisiusschule Ahrweiler und die Grundschule Heimersheim. Über mehrere Jahre hinweg entstanden dort zahlreiche Projekte, die Kreativität förderten, Gemeinschaft stärkten und vielen Kindern neue Perspektiven eröffneten.
So wurde MUS-E für viele Schülerinnen und Schüler weit mehr als ein Kunstangebot: Es wurde zu einem Ort, an dem sie sich ausprobieren, ihre Talente entdecken und nach einer schwierigen Zeit wieder Zuversicht und Selbstvertrauen entwickeln konnten.



