Auswirkungen des Konfliktes in Israel
Seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem damit ausgelösten Krieg hat sich für die Projektteilnehmer (aktuell nur Männer) vieles verändert – das ist täglich zu spüren. Öffentliche Anfeindungen aufgrund der Herkunft, die psychische Belastung durch die Kriegssituation und die ständige Angst vor Bombenangriffen bestimmen den Alltag. In Haifa gibt es fast täglich Luftalarm. Immer wieder müssen Therapiesitzungen im House of Grace, die ein wichtiger Baustein auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben sind, abrupt unterbrochen werden, um Schutz zu suchen. Gleichzeitig wird der Schutzraum des Hauses der Gnade zum Zufluchtsort für Menschen, die keinen Zugang zu sicheren Schutzräumen haben oder dort nicht willkommen sind – oft aufgrund ihrer Religion oder Herkunft.
Dachreparatur nach Bombenangriff
Am 20. Juni 2025 wurde die Bedrohung traurige Realität: Eine Rakete detonierte in unmittelbarer Nähe des House of Grace. Glücklicherweise wurde niemand verletzt – doch die Explosion verursachte schwere Schäden am Gebäude, vor allem in den Wohn- und Aufenthaltsräumen der Projektteilnehmer. Zwar konnten die Bewohner zurückkehren und die Projektaktivitäten wieder aufgenommen werden, wenn die Gebäudereparaturen jedoch nicht bis zum Winter abgeschlossen sind, droht das Projekt stillzustehen. NAK-karitativ unterstützt die langjährigen Partner beim Wiederaufbau.
Warum während anhaltender Konflikte in Wiederaufbau investieren?
Inmitten von Gewalt und geschürtem Gegeneinander zeigt sich, wie wichtig die positiven Wirkungen sind, die wir mit dem Projekt erzielt:
Gelebte Solidarität über Glaubensgrenzen hinweg: Bewohner, Mitarbeitende und Freiwillige aus örtlichen Schulen packen während der verschiedenen religiösen Feiertage gemeinsam an. Zum Ramadan (muslimisch), zu Pessach (jüdisch) und zu Ostern (christlich) wurden Lebensmittelpakete an hunderte bedürftige Familien aller Glaubensrichtungen in Haifa verteilt.
Vorurteile überwinden und gewaltfreie Lösungen für Konflikte finden: Eine der Projektaktivitäten – Gruppentherapie für die Projektteilnehmenden – stand zunächst vor einer großen Herausforderung: Kulturelle und sprachliche Unterschiede zwischen jüdischen Leitungspositionen und arabischen Teilnehmenden führten zu Vorbehalten und Widerständen. Die Gruppe musste vorübergehend pausieren. Durch einfühlsame Einzelgespräche mit allen Beteiligten, neue gemeinsame Vereinbarungen und den respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven gelang es, das Vertrauen wiederherzustellen. Seitdem arbeitet die Gruppe konstruktiv und erfolgreich zusammen.
Menschen brauchen unsere Unterstützung - Amels Weg: Von Gewalt zu Verantwortung:
Amel (Name geändert) wuchs als einziger Sohn unter vier Kindern auf. Seine Kindheit war geprägt von schwerer körperlicher und seelischer Gewalt durch den Vater und vom Druck, einem traditionellen Männerbild zu entsprechen. Gleichzeitig erlebte er schulische Schwierigkeiten aufgrund einer unerkannten sogenannten Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Mit 18 Jahren trat Amel – aus dem Bedürfnis nach Anerkennung – in die israelische Armee ein. Die Folge: Seine arabischstämmige Familie und das Dorf brachen jeden Kontakt ab. Die Wende zum Verbrechen kam, als er erfuhr, dass seine Tante jahrelang missbraucht worden war.
Von seinem Onkel manipuliert und unter dem Versprechen, so die „Familienehre“ wiederherzustellen, beging er eine schwere Gewalttat an dem Mann, der seiner Tante so viel Leid zugefügt hatte – in der Hoffnung, als Held ins Dorf zurückzukehren. Stattdessen folgten tiefe Reue und die Erkenntnis, wie zerstörerisch seine Tat war. Im Gefängnis zeigte Amel über 19 Jahre hinweg ein durchgehend positives Verhalten und begann seine therapeutische Reise, die er seit 2024 im House of Grace fortsetzt. Dort gelang es ihm, über seine Verletzungen zu sprechen, Verantwortung für seine Tat zu übernehmen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Alle drei Beispiele zeigen, was auf dem Spiel steht, wenn das House of Grace seine Arbeit nicht fortsetzen kann.
Helfen Sie uns, diesen Ort des positiven Miteinanders und der Menschlichkeit zu bewahren und den Menschen im House of Grace Werkzeuge an die Hand zu geben, ihre Zukunft zu gestalten.



