Wasser, das den Alltag erleichtert
In der Trockenheit des Nordwestens Kenias entscheidet Wasser darüber, ob Felder grünen, Tiere kräftig bleiben und Familien gesunde Mahlzeiten zubereiten können.
Durch die Installation solarbetriebener Wasserpumpen können acht Gemeinden nun verlässlich mit sauberem Wasser arbeiten. An den Wasserstellen entstehen Begegnungsorte, an denen Menschen ihre Behälter füllen, sich austauschen und ihre gemeinsamen Aufgaben organisieren.
Die Verantwortung liegt bewusst in den Händen der Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner: Wassernutzungskomitees kümmern sich um das System, führen Buch, planen Rücklagen für Reparaturen ein und sorgen dafür, dass diese Versorgung langfristig Bestand hat.
Für viele Haushalte bedeutet das kürzere Wege und weniger Belastung. Frauen haben mehr Zeit für ihre Familien oder eigene wirtschaftliche Aktivitäten, und auch die Gesundheit der Kinder verbessert sich spürbar – allein dadurch, dass verschmutzte Oberflächengewässer seltener genutzt werden müssen.
Gemüse, das neue Lebenskraft bringt
Rund um die neuen Wasserstellen entstehen kleine grüne Inseln: 8 gemeinschaftlich bewirtschaftete Gemüsegärten und 160 kleine Küchengärten direkt an den Wohnhäusern.
Das erste sichtbare Grün nach langer Zeit wirkt auf viele Menschen wie ein Stück Zukunft. Durch organische Anbaumethoden, natürlichen Dünger und eine schonende Bewässerung füllen sich die Beete mit Spinat, Tomaten oder lokalen, besonders trockenheitsverträglichen Sorten.
Diese Gärten sind mehr als nur eine Nahrungsquelle. Sie werden zu Orten, an denen Menschen ihr Wissen weitergeben, neue Fähigkeiten lernen und gemeinsam wirtschaften.
Die Erlöse aus dem Verkauf fließen in Gruppenkassen, aus denen kleine Kredite vergeben werden. So entstehen finanzielle Spielräume für Saatgut, zusätzliche Einkommen schaffende Aktivitäten oder die Instandhaltung der Wasserstellen.
Für viele Familien bedeutet das zum ersten Mal regelmäßige frische Lebensmittel – und eine Mahlzeit, die nicht nur den Hunger stillt, sondern den Körper stärkt.
Energiesparende Öfen, die Sicherheit und Einkommen bringen
In fast allen Haushalten in Turkana West spielte bisher Holz eine zentrale Rolle beim Kochen. Das führt zu langen Sammelwegen, gesundheitlicher Belastung durch den Rauch und einer zunehmenden Abholzung der ohnehin kargen Vegetation.
Mit den energiesparenden “Chepkube Jikos” - traditionelle, energieeffiziente Kochöfen ändert sich das. Die Öfen benötigen deutlich weniger Brennmaterial, entwickeln weniger Rauch und können aus Materialien hergestellt werden, die in der Region verfügbar sind.
Eine Besonderheit macht sie zusätzlich wertvoll: Die gespeicherte Wärme im unteren Bereich kann genutzt werden, um Küken auszubrüten – ein Vorteil, der die Hühnerhaltung erleichtert und Frauen eine weitere Möglichkeit bietet, Einkommen zu schaffen.
In mehrtägigen Trainings erlernen Frauengruppen den Bau, die Reparatur und die Nutzung dieser Öfen sowie die Grundlagen der Hühnerzucht. Viele Gruppen beginnen anschließend, die Öfen zu vermarkten und sich ein eigenes kleines Geschäft aufzubauen.
Die Kombination aus geringerer Brennholzbelastung, zusätzlichen Einnahmen und einer verlässlichen Versorgung mit Eiern oder Geflügel bringt für zahlreiche Haushalte spürbare Verbesserungen.
Wurzeln, die das Land stabilisieren
Bodenerosion ist eine der größten Bedrohungen für die Lebensbedingungen in Turkana West. Während der Regenzeit ergießt sich der Regen wie aus Kübeln über das Land und reißt tiefe Gräben in den Boden. Ackerflächen verlieren ihre Fruchtbarkeit, Wege werden unpassierbar, und das Land trocknet weiter aus.
Mit der Bepflanzung von Vetivergras beginnen 20 Gemeindegruppen, dieses Bild zu verändern. Vetiver bildet ein tiefes, robustes Wurzelwerk, das Erde festhält, Wasser in den Boden leitet und damit hilft, die Grundwasserreserven wieder aufzufüllen.
Während der intensiven Trainingsphase pflanzen die Gruppen Setzlinge an besonders gefährdeten Stellen, richten Vermehrungsstationen ein und lernen, wie sie die Flächen über Monate hinweg pflegen.
Nach und nach entstehen grüne Linien in der Landschaft – ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Boden wieder Halt findet.
Finanzierung: Das Projekt wird zu 75 Prozent vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.
Partnerorganisation: Das Projekt setzen wir gemeinsam mit dem Hilfswerk der Neuapostolischen Kirche in Kenia KUMEA E.A. um.
Unsere Aktivitäten im Überblick
- Verlässliche Wasserversorgung: 4 solarbetriebene Bohrlöcher versorgen 8 Gemeinden mit 2.400 Personen mit sauberem Wasser; 8 Wassernutzerkomitees übernehmen Verwaltung, Pflege und Finanzierung.
- Ernährung und Einkommen durch Gemüseanbau: 8 Gemeinschaftsgärten, 160 Küchengarten (für jeden Haushalt) und Trainings zu ökologischer Landwirtschaft stärken Ernährungssicherheit und schaffen neue Einkommensmöglichkeiten.
- Energiesparende Öfen und Hühnerhaltung für Frauen: 200 Chepkube Jikos (traditionelle Öfen) und Schulungen für 10 Frauengruppen zu Ofenbau, Vermarktung und Hühnerzucht eröffnen neue Einkommensquellen und verringern Brennholzverbrauch.
- Wiederherstellung der Böden mit Vetivergras: 20 Gemeindegruppen bepflanzen degradierte Flächen mit Vetivergras; Vermehrungsstationen ermöglichen eine kontinuierliche Bereitstellung neuer Setzlinge.
- Wirtschaftliche Weiterbildung: Insgesamt 400 Personen erhalten Schulungen zu Hühnerzucht, Ofenproduktion, Vermarktung und Finanzverwaltung.





