• Schulgarten in einem unserer vorherigen Projekte in Sambia

Sambia: Ernte der Zukunft – Mit Widerstand gegen Hunger

Ernährung

In Choma, im Süden Sambias, leben rund 267.000 Menschen von dem, was sie auf ihren Feldern anbauen. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl einer mittelgroßen deutschen Stadt wie Braunschweig oder Aachen. Doch wenn der Regen ausbleibt oder Sturzfluten alles fortspülen, steht ihre Lebensgrundlage auf dem Spiel. Dürren und Überschwemmungen treten immer häufiger auf, die Böden verlieren an Fruchtbarkeit, und traditionelle Anbaumethoden stoßen an ihre Grenzen. Ohne zuverlässige Bewässerung, mit knappen Ressourcen und wachsendem Druck durch Entwaldung wird das Überleben vieler Familien zur täglichen Herausforderung.

Wenn Regen zur Unsicherheit wird

Wenn der Regen auf sich warten lässt oder zu ungewohnten Zeiten fällt, wissen viele Bäuerinnen und Bauern in Choma kaum noch, worauf sie sich verlassen können. Die vertrauten Anbaumethoden reichen nicht mehr aus und der Zugang zu klimafreundlichen Techniken ist für viele unerreichbar. Statt Wissen über nachhaltige Landwirtschaft zu teilen, werden sie oft in die Abhängigkeit von teurem, hybridem Saatgut gedrängt.

Viele Familien leben fast ausschließlich vom Mais, einer Pflanze, die empfindlich auf Trockenheit reagiert und wenig Nährstoffe liefert. Jahr für Jahr werden die gleichen Felder mit den gleichen Pflanzen bestellt – der Boden erschöpft, das Wasser wird knapper, und Brandrodung sowie fehlende Bodenabdeckung verschärfen die Situation. Organischer Dünger, der günstig und lokal hergestellt werden könnte, bleibt meist ungenutzt.

So geraten die Menschen in Choma immer stärker unter Druck – wirtschaftlich, ökologisch und gesundheitlich: Ihre Ernten werden kleiner, die Einkommen sinken, und immer mehr Familien leiden unter Mangelernährung.

Mit nachhaltiger Landwirtschaft zu mehr Sicherheit und Vielfalt

Mit 560 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern mit ihren Familien, die von der Landwirtschaft leben, werden wir in den nächsten 11 Monaten daran arbeiten, sich auf die Trockenheit einzustellen. Auf vielen Feldern wächst derzeit ausschließlich Mais, nun sollen auch Bohnen, Spinat, Kürbisse und Tomaten gesät werden. Diese Pflanzen liefern mehr Nährstoffe und vertragen Trockenheit besser, wodurch Mahlzeiten vielfältiger und gesünder werden.  

Damit aus Ideen gelebte Praxis wird, erhalten die Haushalte Saatgut für verschiedene Gemüse- und Hülsenfruchtarten. Mit jeder Aussaat wächst die Vielfalt auf den Feldern und auf den Tellern — ein wichtiger Baustein, um die Ernährung zu verbessern und weniger von Mais-Monokulturen abhängig zu sein. 

Ein weiterer wichtiger Schritt dafür sind drei solarbetriebene Brunnen, jeder mit einem 10.000-Liter-Tank und einem Bewässerungssystem. So steht Wasser nicht nur während der Regenzeit zur Verfügung, sondern auch dann, wenn Wochen ohne Wolken vergehen. Tropfrohre leiten das Wasser gezielt zu den Pflanzen, der Boden bleibt länger feucht und die Felder können weiter bewirtschaftet werden, ohne dass wertvolle Vorräte verloren gehen. 

Gleichzeitig erwerben 200 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern neues Wissen darüber, wie Felder ohne chemische Mittel fruchtbar bleiben. Kompostierung, natürliche Düngung und ökologische Anbaumethoden helfen, den Boden lebendig zu halten und die Erträge langfristig zu sichern. Dieser Schritt trägt dazu bei, dass Familien nicht nur mehr ernten, sondern auch Kosten sparen. 

Auch Kinder erleben diesen Wandel. Sieben Schulgärten entstehen als Orte zum Pflanzen, Pflegen und Ernten. Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie Lebensmittel wachsen, was gesunde Mahlzeiten ausmacht und wie wichtig nachhaltige Bewirtschaftung ist. Gleichzeitig füllen die Gärten Schulküchen mit frischem Gemüse. 

So entsteht in Choma ein landwirtschaftliches Umfeld, das auf Klimaresilienz aufbaut: Wasser, das auch in Trockenzeiten zuverlässig fließt. Saatgut, das Vielfalt ermöglicht. Wissen, das Ernten sichert. Und Familien, die mit ihren eigenen Feldern Schritt für Schritt mehr Stabilität gewinnen. 

Resilienz säen – Zukunft ernten

Die Wirkung endet nicht, wenn die letzte Schulung gehalten oder der letzte Bewässerungsschlauch gelegt ist. Was heute auf den Feldern in Choma entsteht, legt ein Fundament, das weit in die Zukunft reicht: dauerhaftere Ernährung, stabilere Einkünfte und weniger Belastung durch extreme Witterung.

Mit ökologischen Anbaumethoden und solarbetriebenen Wassersystemen wird der Boden fruchtbarer, Wasser effizient genutzt und jede Pflanze erhält, was sie zum Gedeihen braucht. Gemüse und Hülsenfrüchte ergänzen den Maisanbau, schaffen zusätzliche Einnahmemöglichkeiten und mindern das Risiko, dass eine Saison vollständig verloren geht.

Dieser Wandel bleibt nicht auf einzelne Felder beschränkt. Geschulte „Peer Farmer“ geben ihr Wissen in den Gemeinden weiter – Schritt für Schritt entsteht eine landwirtschaftliche Kultur, die auf Nachhaltigkeit, Vernunft und gemeinsamer Stärke basiert. Was zunächst gelernt wurde, wird nun gelebt, weitergegeben, angepasst und verankert.

Gleichzeitig wächst eine nächste Generation in dieses Verständnis hinein. In Schulgärten säen Kinder selbst, beobachten, wie Pflanzen sich entwickeln, und erleben, wie frisches Gemüse zu gesunden Mahlzeiten wird. Sie begreifen Landwirtschaft nicht als abstrakte Theorie, sondern als etwas, das sie formen und gestalten können.

So entsteht in Choma mehr als ein fruchtbares Feld: Es entsteht eine Perspektive. Eine Zukunft, in der Ernten stabiler bleiben, Familien weniger Angst vor dem nächsten Regenausfall haben und Wissen in den Dörfern zirkuliert wie das Wasser durch die Schläuche.
Was heute gesät wird, trägt morgen Früchte – widerstandsfähig, lebendig und nachhaltig.

Partnerorganisation: NACRO Sambia (New Apostolic Church Relief Organization)

Unsere Aktivitäten im Überblick

1. Nachhaltige Landwirtschaft fördern:
560 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und ihre Familien erhalten vielfältiges Saatgut und Schulungen zu ökologischen Anbaumethoden. Durch Kompostierung, natürliche Düngung und Fruchtwechsel werden Böden fruchtbarer, Erträge stabiler und die Ernährung vielfältiger.

2. Wasserversorgung sichern:
Drei solarbetriebene Brunnen mit 10.000-Liter-Tanks und Tropfbewässerungssystemen stellen Wasser auch in Trockenzeiten bereit. So können Felder ganzjährig bewirtschaftet und Ernteausfälle vermieden werden.

3. Wissen weitergeben und Zukunft gestalten:
200 Bäuerinnen und Bauern sowie Peer Farmer teilen ihr Wissen in den Gemeinden. Sieben Schulgärten vermitteln Kindern praktische Kenntnisse zu Anbau, Ernährung und Nachhaltigkeit – für eine Generation, die Landwirtschaft als Zukunftschance begreift.

Spendenstichwort:
Widerstand gegen Hunger

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